Völlig losgelöst – Der Echo und ich

Ich habe eigentlich nie einen Hehl darum gemacht, dass ich Medien- und Musikveranstaltungen verachte. Dennoch habe ich der Echo-Aftershowparty 2007 eine schöne Erinnerung zu verdanken. Ich war da nämlich sehr betrunken – und das kostenlos. Getränke sind ja bei der Musikindustrie grundsätzlich frei. Warum? Na, weil die Musikindustrie nett ist und erst recht, wenn sie ausnahmsweise mal feiern darf.

Nur auf der Echo-Afertshowparty ist es möglich Sarah Connor in den Ausschnitt zu kucken und gleichzeitig den Producer der Ärzte zuzulallen, dass man ja auch Musik macht und er da mal dringen reinhören muss.
Und wenn man es schafft, dass Scooter nur noch kopfschüttelnd neben einem steht, weil man tatsächlich soviele Promille in sich vereinigt, dass man nicht mehr „How Much Is The Fish“ mitsingen kann, darf man sagen: Ja, ich gehöre dazu! Und das hebt die Stimmung. Und die braucht die Aftershow-Party des Echos.
Schließlich feiern hier die Musikindustriellen nicht nur den Beginn und den Höhpunkt ihrer Karriere – sie feiern nicht selten auch ihr Ende. Teils bewusst, teils unbewusst. Tobias Regner – zum Beispiel – hätte sich wahrscheinlich nicht im Traum gedacht, dass er heute noch mit Billy Talent quatscht und keine drei Monate später auf einem Stadtfest in Bottrop den Baumarkt leer spielt. Und ob Billy Talent es als Höhepunkt oder Ende ihrer Karriere empfunden haben mögen, stundenlang mit einem Typen wie Tobias Regner reden zu müssen, bleibt dahingestellt.
Die No Angels fühlten sich auf der Party wie Zuhause. Sie zeigten ihr Glück, indem sie bei jedem Fotografen in eine Art Kältestarre gefallen sind. Noch nie habe ich jemanden so diszipliniert drei Minuten lang so dämlich lächeln sehen. Das Alleine war schon einen Echo wert.

Die wirklichen Echo-Stars hielten sich dezent im Hintergrund. Die Schürzenjäger, graue Eminenzen und Rekordgewinner des Echos, wirkten wie der Papa auf der Pyjama-Party der Tochter. Die Höhner lebten ihre Unhippness in voller Leidenschaft und DJ Ötzi war gewohnt freundlich und offen zu allem, was sich für ihn interessiert. Diese Menschen waren nicht die Hippen, sie waren die sympathische Seite des Echo 2007. Und auch sie kamen nicht an die Dame des Abends ran. Die wurde von einer Horde Securities durch den Abend navigiert und gegen die Tobias Regners dieser Welt abgeschottet. Ihr Name: Bill Kaulitz.
Ich fand ihn furchteinflößend auf der Echo-Party. Vielleicht deshalb weil ich mir ihn und seine mächtige Entourage unmöglich als Menschen vorstellen konnte. Bill Kaulitz auf dem Klo? – Undenkbar! Aber vielleicht ist er das offensichtlichste Symptom solcher Veranstaltungen. Solche, die in diesen Zeiten mit Musik noch richtig reich werden, müssen beschützt werden. Und: nur er musste beschützt werden.

Egal ob als Trinker, Schnorrer oder Soziologe – Der Echo 2007 – er war die Reise wert.

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2 Antworten

  1. DAS kenne ich. Ich durfte mal in den goldenen Neunzigern auf die Aftershow-Party der Bravo-Supershow. Die Getränke waren frei (Kölsch! Jack Daniel´s!) Und die fantastischen Vier waren da. Ich durfte sogar mit Smudo reden. Ich, der kleine Junge. Aber wie gesagt, die Getränke waren umsonst und laut war es auch. Und als ich mein unterschriebenes FantaVier-Plakat ausrollte. Merkte ich, dass Smudo statt T doch B verstanden hat. Seitdem steht auf meinem Plakat „Für tote“! Trotzdem cool.

    Und dann hat der Junge von Echt mit Blümchen rumgeknutscht. Und dieser langhaarige junge Sänger, dessen Papa schon Sänger war, ja den habe ich auf dem Klo getroffen. Wie einen normalen Menschen.

  2. […] kein Musikproduzent sein sollten — huschen Sie da mal eben vorbei, denn der Artikel über die After-Echo-Party ist […]

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